Büro der Armutskonferenz Solingen

Berichte

5. Solinger Armutskonferenz wieder sehr gut besucht

Der Gemeindesaal der Evangelischen Kirche Wald platzte aus allen Nähten. 

Die 5. Solinger Armutskonferenz, zu der gut 170 Besucher an die Corinthstrasse gekommen waren, stand im Zeichen von acht Kurzinterviews. Gleich zu Beginn stellten zudem Isolde Aigner und Philipp Beckmann vom Stadtdienst Jugend das Team „Kinderstark“ vor. Die Erwachsenen hatten sich bei den Kindern der Zietenstraße Rat geholt, wie sie besser mit Kinderthemen umgehen sollen. 

Zuvor hatte Bürgermeister Lukas Schrumpf ein Grußwort an die Besucher gerichtet, und der Sprecher der Armutskonferenz, Horst Koss berichtete von der Arbeit des Büros der Armutskonferenz. Deren Mitglieder tagen zehn Mal jährlich und gewinnen dabei immer intensivere Erkenntnisse über Armut in Solingen. 

Horst Koss: „Die Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, erleben eine Stigmatisierung als arbeitsscheu. Aus den Schilderungen des Jobcenters ist uns jedoch bekannt, dass 80% der Leistungsbeziehenden arbeitsmarktfern sind, d. h. sie haben Vermittlungshemmnisse z. B. wg. fehlender Qualifikation oder es gibt psychische oder körperliche Einschränkungen.“

Nach einer kurzen Pause begannen die acht Kurzinterviews zu unterschiedlichen Angeboten und Problemlagen der Armutskonferenz. So sprach Uli Preuss, in der Konferenz zuständig für „Initiativen“, mit Bettina Hahmann. Die Gemeindeschwester leitet seit über 36 Jahren den Mittagstisch für Bedürftige in der Evangelischen Kirchengemeinde Wald. Sie geht im Sommer in den Ruhestand und wünscht sich, dass ihre Arbeit weitergeführt wird. 

Quartiersmanagerin Tanja Isphording sprach mit einer Familie aus der Hasseldelle, die im Sommer bei der öffentlichen Probe des Jugendsymphonieorchesters anwesend waren. So habe man Kultur in die Quartiere bringen können. Die jungen Musiker werden in diesem Juni im Quartier an der Fuhrstraße zu hören sein. 

Martina Zsack-Möllmann, Geschäftsführerin des Solinger Frauenhauses, interviewte ihre Nachfolgerin Susanna Mangrig. Beide Frauen beschrieben eindrucksvoll die Vielzahl der Sorgen und Nöte, die bedürftige Frauen haben. 

Jörg Augustin sprach mit Horst Koss zum ernsten Thema des Schulabsentismus und Dorothee Daun las aus der Studie des Paritätischen vor, die aufzeigt, dass staatliche Hilfe bei weitem nicht reicht.

Tom Flemm sprach mit Ioanna Zacharaki über das Thema „Armut und Zuwanderung“. Und Dr. Christoph Zenses berichtete als Vorsitzender der Medizinischen Hilfe Solingen über seine Arbeit in der Praxis ohne Grenzen und auf dem Medimobil. Er wurde von Mark Kuypers interviewt. 

Zum Schluss sprach Uli Preuss mit Michael Junold. Der Szenekenner hat alle Stadien einer Drogensucht hinter sich, lebte einige Jahre auf der Straße und saß insgesamt vier Jahre im Gefängnis. Damit es anderen nicht so ergeht, würde Junold gerne Präventivarbeit leisten, indem er zum Beispiel in Schulen von seinem Schicksal erzählt. 

Die 6. Solinger Arbeitskonferenz wird 2027 stattfinden.    

Bericht im Solinger Tageblatt vom 28.3.2026: „Drogen, Haft, Obdachlosigkeit: Michael Junold spricht über seine bewegte Geschichte

Fotos, sofern nicht anders angegeben: Uli Preuss

Termine

Einladung zur 5. Solinger Armutskonferenz

Sehr geehrte Interessierte,

wie bereits angekündigt findet am Donnerstag, 26. März 2026 von 16:00 bis 19:00 Uhr die 5. Solinger Armutskonferenz im Gemeindesaal der Evangelischen Kirchengemeinde Wald statt.

Wir werden uns in diesem Jahr über Armutslagen in Solingen aus unterschiedlichen
Perspektiven informieren.

Der Haupteingang zum Gemeindesaal ist an der Corinthstraße 14 in Solingen-Wald. Ein barrierefreier Zugang ist über die Rückseite des Gebäudes an der Poststraße 27 möglich.

Parkmöglichkeiten finden Sie auf dem Halfenweiherplatz und dem Parkplatz hinter der
Stadt-Sparkasse an der Poststraße.

Wir hoffen auf Ihr Interesse und freuen uns auf Sie!

Aus Planungsgründen bitten wir um Ihre Anmeldung über den untenstehenden Vordruck an netzbuero@solimed.de bis zum 20. März 2026.

Mit freundlichen Grüßen

Horst Koss
Sprecher der Armutskonferenz

Termine

4. Solinger Armutskonferenz mit über 200 Besuchern

Es war die vierte und gleichsam die erfolgreichste Armutskonferenz in Solingen. Im Clemenssaal begrüßte Horst Koss, Sprecher des Büros der Armutskonferenz weit über 200 Gäste. Die waren gekommen, um sich an den Ständen von 29 Initiativen, die in der Klingenstadt für Bedürftige da sind, zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Horst Koss, Sprecher der Armutskonferenz und Vorsitzender des Sozialausschusses (kurz ASGISB) wies auf die Arbeit der elf Büromitglieder im vergangenen Jahr hin. Man befasste sich mit Armut aller Art in der Stadt, besonders mit Alters- und Kinderarmut. Gleichzeitig richtete das Büro der Konferenz drei Appelle an die Bundes- und Landespolitik und verschickte sie etwa an Jürgen Hardt (MdB-CDU) und Helge Lindh (MdB-SPD). Letzter versprach eine nähere Zusammenarbeit.

Wesentliche Appelle haben sich der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, der Sicherung von Integrations- und Berufssprachkursen und der Beendigung der diskriminierenden Behandlung von Bürgergeldempfängern gewidmet.

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach danke den Mitgliedern der Armutskonferenz für ihre Arbeit und wies an die Adresse der Initiativen gerichtet darauf hin, dass eine Stadt ohne deren Arbeit gar nicht mehr auskommen würde.

Nach drei Armutskonferenzen mit Impulsrednern wie dem Mainzer Armutsforscher Prof. Gerhard Trabert (2023) und dem Kölner Pfarrer Franz Meurer (2024) hatten sich die Mitglieder des Büros der Armutskonferenz in diesem Jahr dazu entschlossen, statt Impulsreden einen Markt der Möglichkeiten zu bieten. Uli Preuss, im Büro zuständig für Initiativen, war sichtlich überrascht angesichts der Menge Helfer, die sich angemeldet hatten. Er hatte zu Anfang mit kam 12 Gruppen gerechnet, 29 kamen.

Fotos: Uli Preuss

Termine

Aktionen des Sozialdiakonischen Zentrums Wald zur Unterstützung der Bedürftigen in unserer Stadt

Sozialdiakonisches Zentrum Wald | evangelisch-wald.de
Ansprechpartnerin: Gemeindeschwester Bettina Hahmann
Tel. 318025 und 0179 5925163, hahmann@ev-kirche-wald.de


Jeder Löffel zählt … für die Bedürftigen in unserer Stadt

In der Stadt-Sparkasse Solingen Wald steht ab dem 1. Advent ein geschmückter Tannenbaum. An diesem Baum hängen Löffel mit Vornamen und den Herzenswünschen unserer Gäste des sozialen Mittagstischs. Sie nehmen einen Löffel mit, erfüllen den Wunsch von ca. 10 €, verpacken das Geschenk und geben es bei der Sozialdiakonie Wald, Poststraße 27 (gegenüber der Sparkasse Wald) bis spätestens Dienstag, 17.12.2024 ab. VIELEN DANK!

Ihre Geschenke werden am Donnerstag, 19.12.2024 im Rahmen einer Weihnachtsfeier an die Gäste des Mittagstisches verteilt.


Ein Teil mehr … für die Bedürftigen in unserer Stadt

Ab Erntedank, 6. Oktober bis Heiligabend sammeln wir haltbare Lebensmittel (z. B. Nudeln, Reis, Tee etc.) und Hygieneartikel für die Gäste unseres Mittagstisches.

So geht‘s: Bitte Ihre Spenden (haltbare Lebensmittel- oder Hygieneartikel) direkt an den Kassen des EDEKA-Marktes, Friedrich-Ebert-Straße 95 abgeben. Die Spenden werden auch im Sozialdiakonischen Zentrum Wald, Poststraße 27, angenommen. VIELEN DANK!

Ihre Lebensmittel- und Sachspenden werden am Donnerstag, 19.12.2024 im Rahmen einer Weihnachtsfeier an die Gäste des Mittagstisches verteilt.


Backen für den Advent!

Wir treffen uns zum Backen in der Poststraße 27 (früher Jugendtreff ), mittwochs, 14:30–16:00 Uhr:

  • 06.11.2024
  • 13.11.2024
  • 20.11.2024
  • 27.11.2024

Der Winter-Wärme-Treff

… ist eine Aktion der Evangelischen Kirchengemeinde Wald, geöffnet vom 4.11.2024 bis 20.3.2025

im Gemeindehaus Corinthstraße 14,
Montags und donnerstags von 10:30 bis 12:30 Uhr (inklusive Mittagessen)

im KirchenCafé, Walder Kirchplatz 1
Dienstags von 10:00 bis 12:00 Uhr

Wir beraten in der Energiekrise. Informationen und Weiterleitung von Anträgen jeglicher Art.

Termine

Ausstellung „Armut hat viele Gesichter!“

Ausstellungseröffnung

Samstag, 5. Oktober 2024, 11 Uhr
Stadtbibliothek Solingen, 1. Obergeschoss (barrierefrei)
Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung will Armut sichtbar machen. Sie zeigt verschiedene Ursachen, Folgen und mögliche
Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und ist offen für Ihre/Eure Anregungen.

Die Ausstellung ist von Samstag, 5. Oktober bis Samstag, 30. November 2024 im 1. Obergeschoss der
Stadtbibliothek, während der Öffnungszeiten, zu sehen.

Die Ausstellung ist eine Initiative des Büros der Solinger Armutskonferenz.

Stellungnahme

Zum 1. Januar 2024 steigt das Bürgergeld

Für eine alleinstehende Person steigt das Bürgergeld zum 1. 1. 2024 um 61 Euro auf 563 Euro monatlich. Das Inkrafttreten dieser Anpassung ging aus Sicht der Armutskonferenz mit einer unwürdigen öffentlichen Diskussion, u. a. im Bundestag durch die CDU/CSU, einher.

Aus Sicht des Sprechers der Solinger Armutskonferenz lautet eine Feststellung:

„Jede/r, die/der den Betrag als überhöht einschätzt soll sich aufgefordert fühlen den Versuch zu unternehmen, den monatlichen persönlichen Bedarf mit diesem Betrag zu bestreiten.“

Allgemein ist bekannt, dass insbesondere die Bezieher/-innen geringer Einkommen überproportional unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden. Lebenshaltungskosten sind der Betrag, aus dem die Nahrungsmittel ebenso zu bestreiten sind wie Kosten der Bekleidung und die Stromkosten. Für den Fall, dass ein wichtiges Haushaltsgerät wie der Herd, der Kühlschrank, die Waschmaschine ausfallen, gilt es aus dem Betrag Rücklagen zu bilden. Rücklagen müssten auch für den Fall, dass die Wohnung einen neuen Anstrich oder neue Auslegware benötigt, gebildet werden. Und für die Teilhabe am Leben wie z. B. ein Kinobesuch oder der Besuch einer Eisdiele sollte Geld überbleiben.

Angesichts dieser Ausgangslage ist die undifferenzierte Debatte über die Anpassung sehr ärgerlich.

Zur Differenzierung gehört nicht unwesentlich die Erwähnung, dass der Kindergeldanspruch als Einkommen gilt. Nehmen wir eine alleinerziehende Mutter/einen alleinerziehenden Vater mit diesem Regelsatz in Höhe von 563 Euro. Und nehmen wir an, im Haushalt lebt ein Kind im Alter von 7 Jahren. Dessen Regelsatz bemisst sich auf 390 Euro. Damit hat dieser Haushaltsverbund ein monatliches Budget in Höhe von 920,56 Euro. Der Kindergeldanspruch in Höhe von 250 Euro wird darauf angerechnet, so dass über die Bürgergeldkasse nur 670,56 Euro zur Auszahlung kommen.

Vor dieser Haushaltsgemeinschaft, die es schafft, dass das Kind regelmäßig mit einem Butterbrot ausgestattet die Schule besucht und das neben dem Schulbesuch auch die notwendige Förderung in Fächern, in denen es sich nicht zu den Besseren zählt, erhält, sollten wir größten Respekt haben.

Wenn es dem alleinerziehenden Elternteil dann noch wichtig ist, auf eine ausgewogene Ernährung Wert zu legen, bei Bedarf eine warme Winterjacke anzuschaffen und auch darauf zu achten, dass dem Kind mal angesagte Bekleidungswünsche erfüllt werden dann wird deutlich was es bedeutet, zu den Ärmsten in der Gesellschaft zu gehören. Und auch hier möchte das Kind mal das Kino oder die Eisdiele aufsuchen.

Im Fazit bedeutet das: Bei den erhöhten Regelsätzen handelt es sich um eine existenzsichernde Maßnahme.

Zum Argument „Arbeit muss sich lohnen“ ist zu sagen, dass dem nicht zu widersprechen ist.

Es ist aber unmoralisch, Arbeitnehmende gegen Menschen mit Einkommen für die Existenzsicherung auszuspielen. Es ist nicht stark genug zu betonen, dass für Arbeitnehmende die Ergebnisse der Beratungen der Mindestlohnkommission von entscheidender Bedeutung sind und es ist zu betonen, dass Arbeitnehmer gut geschützt sind, wenn sie in einem Betrieb mit von Gewerkschaften ausgehandelten Tarifen tätig sind.

Unter der Voraussetzung einer der Arbeitsleistung angemessenen Vergütung ist der Aussage, es ist attraktiver Sozialleistungen statt Arbeitslohn zu beziehen, entschieden zu widersprechen.

Angefangen von der persönlichen Würde, die damit einhergeht, seinen Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten über die Tatsache, dass jemand, der zu dieser Auffassung kommt, zunächst eine Sperrfrist für einen Bezug aus öffentlichen Mitteln erhält, ist dieses Argument nicht belegbar. Auch verliert derjenige/diejenige für den Fall, dass Kinder im Haushalt leben, mit einer solchen Entscheidung die Summe des Kindesgeldes und ggf. auch die Möglichkeit, Wohngeld zu beziehen. Die Möglichkeit für diesen Bezug wurde durch die Ampel-Koalition entscheidend verbessert.